
Unternehmen in einem finanziellen Engpass, Privatpersonen vor dem finanziellen Ruin – wie oft hört man solche Meldungen in den Nachrichten. Worüber wenig bis überhaupt nicht berichtet wird: Auch in anderen Bereichen fehlt das Geld. So geht es den meisten Tierheimen in Deutschland finanziell alles andere als gut.
Ganz im Gegenteil: Für fast die Hälfte der Tierheime ist die finanzielle Lage sogar so bedrohlich, dass sie von einer Insolvenz bedroht sind! Der Grund dafür ist recht einfach erklärt: Es gibt Tierheime, die keine finanzielle Unterstützung aus dem öffentlichen Haushalt erhalten und sich ausschließlich über Spenden und Mitgliedsbeiträge finanzieren müssen.

Dabei kämpfen sie oft ums nackte Überleben. Denn dass sich Tierheime selbst wie Münchhausen aus dem Sumpf ziehen, ist Wunschdenken. Tierheime sind auf externe Hilfe angewiesen. Nichts läge also näher als den Tierheimen mit Geldspenden zu helfen. Oder doch nicht?
Denn wie groß ist eigentlich in Deutschland die Bereitschaft, für Tierheime zu spenden? Zugegeben: Empirische Daten liegen mir dazu nicht vor. Doch mit einem kleinen Test kann man ganz leicht überprüfen, wie oft in Deutschland pro Monat die Google-Suchmaschine „angeschmissen“ wird, um nach dem Suchbegriff „Tierheim spenden“ zu googeln. Das Ergebnis wird manchen überraschen – oder aber in seiner Annahme bestätigen.
Vergleich der Google Suchen pro Monat in Deutschland
Durchschnittlich 70 Mal pro Monat wird in Deutschland nach dem Suchbegriff „Tierheim spenden“ gesucht – im Vergleich dazu stolze 390 Mal nach dem Suchbegriff „Pelzmantel kaufen“. Doch ob dieses Ergebnis so stolz machen kann? Denn damit wird in Deutschland mehr als sechsmal so häufig nach „Pelzmantel kaufen“ gegoogelt wie nach „Tierheim spenden“ – und das monatlich. Leider halte ich persönlich die Absicht, dass bei den 390 Pelzkauf-Suchanfragen die Mehrheit tatsächlich am Pelzmantel-Shopping interessiert ist, für sehr wahrscheinlich.
Ich selbst möchte ein kleines Experiment starten: Genau in einem Jahr – am 01. Juli 2017 – werde ich wieder prüfen, wie oft in Deutschland „Tierheim spenden“ gegoogelt wird. Hoffentlich ist das Ergebnis dann mindestens doppelt so hoch wie in diesem Jahr. Mein anvisiertes Ziel sind vollere Kassen bei den Tierheimen und Tierschutzvereinen. Doch wie kann diese große Herausforderung erfolgreich gestemmt werden? Die deutschlandweit größte Spendenplattform „betterplace.org“ bietet für Tierheime und Tierschutzvereine eine einfache und effektive Möglichkeit, Geld für Spendenprojekte online zu sammeln. Mirjam Kinzel von „betterplace.org“ hat mir freundlicherweise einige Fragen zum Spendensammeln beantwortet.
Status 16. Juli 2017, also gut ein Jahr später, sind die durchschnittliche Suchanfragen pro Monat:
„Tierheim spenden“ => 90
„Pelzmantel kaufen“ => 390
Und jetzt eine gute Nachricht
Im Jahr 2021 haben die monatlichen Google Suchanfragen für „Tierheim spenden“ die Suchanfragen für „Pelzmantel kaufen“ überholt. Natürlich ist jede einzelne Suchanfrage mit der Absicht einen Pelzmantel zu kaufen immer noch zu viel, aber der Trend scheint sich zu drehen.
„Tierheim spenden“ => 480
„Pelzmantel kaufen“ => 320
Interview mit Mirjam Kinzel

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Helmut Naber:
Müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, um auf betterplace.org ein Spendenprojekt anzulegen?
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Mirjam Kinzel:
Voraussetzung für eine Registrierung auf betterplace.org ist, dass mit dem Projekt gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke verfolgt werden, dazu zählen natürlich auch Tierschutz-Projekte. Als steuerlich absetzbar können nur Projekte markiert werden, die eine deutsche, gemeinnützige Trägerorganisation haben. Aber auch private oder ausländische Initiativen können ihre Projekte bei uns anmelden.
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Helmut Naber:
Was sind die Vorteile von betterplace.org und wie gut sind die Erfolgsaussichten für Tierheime und Tierschutzvereine?
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Mirjam Kinzel:
Vorteile von betterplace.org sind, dass wir 100% der gespendeten Beträge an die Projekte weiterleiten. Die Plattform ist also sowohl für die Projekte als auch für die Spender komplett kostenlos. Zu unserem Angebot gehören auch Werkzeuge, die beim Online Fundraising helfen sollen, beispielsweise das Spendenformular für die eigene Homepage (spendenformular.betterplace.org).
Für steuerlich absetzbare Spenden verschicken wir die Spendenbescheinigungen, wodurch die Organisation weniger Aufwand hat.
Der Erfolg hängt maßgeblich davon ab, wie groß das Netzwerk der jeweiligen Organisation ist. Die Projektverantwortlichen müssen das Projekt selbst verbreiten und Werbung dafür machen. Mit betterplace.org bieten die Organisationen ihren Spendern einen zusätzlichen Kanal zum bequemen online spenden. Spenderakquise muss dennoch betrieben werden, das können wir für die Vielzahl an Projekten auf unserer Plattform leider nicht leisten.
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Helmut Naber:
Wie zeitaufwendig ist es ein Spendenprojekt zu veröffentlichen?
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Mirjam Kinzel:
Eine Projektregistrierung kann innerhalb von 20 Minuten abgeschlossen werden, vorausgesetzt man hat bereits alle notwendigen Informationen zur Hand. Falls nicht, kann man sich gern auch mehr Zeit lassen. Erst nach 8 Wochen wird ein angefangenes Projekt gelöscht falls die Registrierung nicht abgeschlossen wurde.
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Helmut Naber:
Was sind die erforderlichen Schritte, um ein Spendenprojekt auf betterplace.org anzulegen?
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Mirjam Kinzel:
Um ein Projekt auf betterplace.org zu registrieren, muss zunächst ein persönliches Profil registriert werden. Danach gilt es eine kleine Checkliste zu bearbeiten, um das Projekt online zu stellen:
1. Projektbeschreibung (Wer sammelt wofür?)
2. Startbild
3. Projekt-Ort
4. Projekt-Träger (falls dieser gemeinnützig ist benötigen wir eine Kopie des aktuellen Freistellungsbescheides)
5. Bedarfe (Für was wird wie viel Geld benötigt?)
6. Bankverbindung für AuszahlungenAlle neuen Projekte werden von uns geprüft und dann aktiviert. Das dauert maximal 2 Werktage.Hier kann eine Projektseite angelegt werden: www.fundraising.betterplace.org
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Helmut Naber:
Sind Spendenprojekte auf betterplace.org für Tierheime und Tierschutzvereine komplett kostenlos?
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Mirjam Kinzel:
Ja, es ist tatsächlich so, dass weder die Spender noch die Organisationen Gebühren zahlen müssen. Im Gegenteil, wir übernehmen sogar alle anfallenden Transaktionskosten. Das ist möglich, weil wir als gemeinnützige AG keinerlei Gewinnabsicht haben.
betterplace.org finanziert sich durch verschiedene Kanäle. Auf der einen Seite gibt es Privatmenschen, die uns unterstützen. Neben einigen besonders großzügigen, die uns besonders am Anfang stark gefördert haben, kann uns jeder, der von betterplace.org überzeugt ist, ebenfalls fördern. Bei jeder Projektspende kann der Betrag um ein freiwilliges Trinkgeld erhöht werden.
Auf der anderen Seite verdient unsere 100-prozentige Tochterfirma, die betterplace Solutions GmbH, und steckt jegliche Gewinne in die Weiterentwicklung von betterplace.org. betterplace Solutions berät Unternehmen auf dem Gebiet der Corporate Social Responsibility (CSR) und setzt verschiedene Konzepte und Kooperationen um.
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Helmut Naber:
Wie lang ist die Laufzeit von Projekten und wann wird das gesammelte Geld ausgezahlt?
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Mirjam Kinzel:
Auf betterplace.org gibt es keine vorgeschriebene Laufzeit. Projekte können also langfristig angelegt werden. Man kann jederzeit neue Bedarfe hinzufügen und so immer weiter Geld sammeln. Das selbstgesteckte Ziel muss nicht erreicht werden, um die Gelder ausgezahlt zu bekommen. Jede Spende kann nach einer Sicherheitsfrist von 15 Tagen zur Auszahlung angefordert werden. Einzige Voraussetzung für die Auszahlung ist, dass das Geld für den im Projekt genannten Zweck eingesetzt wird.
Hilfe ist nur ein paar Mausklicks entfernt
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Spendenprojekte von jedem, sehr schnell und vor allem ganz einfach organisiert werden können. Hilfe für Tierheime ist nur ein paar Mausklicks entfernt – und wer irgendwann in die dankbaren Augen eines Katzen- oder Hundewelpen blickt, der weiß spätestens dann, dass er alles richtig gemacht hat.